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Projekt Spracherkennung und Sprachsteuerung für Contergan-Geschädigte – CONTKOM

Der Abschlussbericht über das Pilotprojekt mit einem Geleitwort von Frau Antje Blumenthal, der Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Conterganstiftung, kann hier eingesehen werden (PDF, 2,6 MB).

Ausgangslage

Von den 5.000 Anfang der Sechzigerjahre des vorigen Jahrhunderts in Deutschland geborenen Contergangeschädigten sind die heute noch lebenden etwa 2.700 Contergan-Erwachsenen mittlerweise 50 Jahre alt.

Permanente Fehl- und Schonhaltungen und zwangsläufig mangelnde Beweglichkeit führen bei ihnen zu einer immer schnelleren körperlichen Degeneration. Dem muss durch alle erdenklichen Maßnahmen entgegengewirkt werden.

Neben den körperlichen Defiziten bei zunehmendem Alter ist es aber genauso wichtig, der Vereinsamung dieser Menschen zu begegnen, ihnen neue Möglichkeiten der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen und alternative berufliche Perspektiven zu eröffnen.

All dies wird durch die Studie von Marina Enns, David Rester und Bernd Seeberger: »Zur Lebenssituation älterwerdender Contergangeschädigter Menschen« (Verlag Urban & Vogel, Mai 2009) deutlich belegt.

Die Spracherkennung und Sprachsteuerung des Computers haben inzwischen ein so hohes technologisches Niveau erreicht, dass sie hervorragende Hilfsmittel für Contergan-geschädigte Menschen darstellen. Die Mängel der Anfängerjahre mit frustrierenden Erkennungsfehlern sind endgültig vorbei.

Heute können Contergangeschädigte das so beschwerliche Tippen durch das gesprochene Diktat ersetzen, welches in Echtzeit auf dem Computer in Text umgewandelt wird. Das eröffnet ihnen eine umfassendere Nutzung der neuen Kommunikationsmöglichkeiten wie zum Beispiel Chatten und Surfen im Internet. Vor allem aber kommt für Contergangeschädigte hinzu, sich endlich von körperlichen Schon- und Zwangshaltungen am Rechner mit allen implementierten (Spät)Folgen verabschieden zu können und wirklich entspannt zu arbeiten.

Damit eröffnen sich zugleich neue Berufschancen für Contergan-geschädigte Menschen, die die Spracherkennung und Sprachsteuerung beherrschen.

Die »Computerdichte« beträgt in Deutschland zurzeit 336 PCs auf 1000 Einwohner, in den Großstädten sind es bis zu 700 PCs pro 1000 Einwohner. Computerarbeitsplätze sind der berufliche Normalfall.

Menschen mit körperlichen Behinderungen, die von der Sache her die hauptsächlichen Nutznießer der Spracherkennung und Sprachsteuerung sind, kommen bislang mit dieser kaum in Berührung. Hauptklientel der Spracherkennung sind nach wie vor Mediziner und Juristen.
Es ist deshalb von außerordentlich hohem Nutzen für Contergan-geschädigte Menschen, die Spracherkennung und die Sprachsteuerung des Computers gründlich und professionell angeleitet zu erlernen.

Zielsetzung

Es gibt bislang noch kein spezifisch auf Menschen mit körperlichen Behinderungen abgestimmtes Ausbildungssystem auf dem Gebiet der Spracherkennung/Sprachsteuerung. Ein solches muss aufgebaut werden. Das schließt die Ausbildung von Lehrern der Spracherkennung/Sprachsteuerung ein, die selbst Contergan-geschädigt und deshalb besonders in der Lage sind, den spezifischen Anforderungen der Lernenden zu entsprechen.

Das Projekt zielt darauf ab,

  • Ausbildungspläne, Schulungsmaterial und Curricula speziell für Contergan-geschädigte Erwachsene zu entwickeln,
  • in einem Pilotprojekt in zwei bis drei Gruppen von jeweils 7 Teilnehmern Contergan-geschädigte in der Spracherkennung und Sprachsteuerung auszubilden,
  • die Grundlagen für die Ausbildung von Contergan-geschädigten Lehrern der Spracherkennung/Sprachsteuerung erarbeiten, und
  • in einem weiteren Pilotprojekt 3-5 Teilnehmer zu Lehrern auszubilden – sowohl für Contergangeschädigte als auch für weitere körperbehinderte Menschen, insbesondere Kinder und Jugendliche.

Die ersten beiden Wochenkurse, die wir im Tagungshotel »Ferienpark Plauer See« an der mecklenburgischen Seenplatte durchgeführt haben, haben die höchsten Erwartungen erfüllt. Bianca Vogel, paralympische Doppel-Silbermedaillengewinnerin im Dressurreiten, hat selbst mit Erfolg an dem Kurs teilgenommen und arbeitet jetzt intensiv mit der Spracherkennung und Sprachsteuerung.

Foto: Bianca Vogel, hier bei einer Atemübung im Liegen mit Sprachtrainerin Franziska Baldes (Brandt Spracherkennung). Es wird großer Wert gelegt auf Atem- und Sprechübungen zur Ausbildung des „neuen Eingabemediums Sprache“.

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